6th Gathering in Biosemiotics, Salzburg, 5.-9. Juli 2006
Einer der innovativsten Wissenschaftskongresse der Gegenwart 2006 in Salzburg
Einer
der zukunftsträchtigsten und jüngsten Wissenschaftszweige, die
Biosemiotik wird ihren 6. internationalen Kongreß 2006 in Salzburg
abhalten. Dem Philosophen Günther Witzany (telos – Philosophische
Praxis) und dem Professor für Internet & Society Wolfgang
Hofkirchner (ICT&S Center Universität Salzburg) ist es gelungen,
beim diesjährigen Kongress in Urbino /Italien das hochkarätige
wissenschaftliche Gremium vom Tagungsort Salzburg zu überzeugen. Mit
maßgeblicher Förderung von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried
Haslauer und der Unterstützung durch Prof. Alfred Winter, der für die
kulturellen Sonderprojekte des Landes Salzburg verantwortlich ist, wird
damit einer der innovativsten Wissenschaftskongresse der Gegenwart 2006
in Salzburg zu Gast sein. Unterstützt wird dieser Kongress außerdem von
Prof. Dr. Peter Eckel und Dr. Nikolaus Bresgen (Institut für
Zellbiologie-Universität Salzburg), und von Dr. Erich Hamberger
(Institut für Kommunikationswissenschaft- Universität Salzburg), der
Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg (angefragt) sowie dem
Konrad Lorenz Institut Wien (angefragt).
Chance für Salzburg und Österreich
Der
Biosemiotik Kongress 2006 in Salzburg bietet für Wissenschafter aus
Salzburg und Österreich die Chance sich über die aktuellsten
Entwicklungen in der Biosemiotik zu informieren, exzellente Vorträge
und Diskussionen zu hören, mit Experten zu sprechen und so an einer der
innovativsten Wissenschaftsentwicklungen der Gegenwart LIVE
teilzunehmen. Das betrifft z.B. Zellbiologen, Immunologen, Embryologen,
Molekularbiologen, Genetiker und Epigenetiker, Bakteriologen,
Botaniker, Zoologen, Mediziner aller Fachrichtungen, aber auch
Kommunikationswissenschafter, Medienwissenschafter, Linguisten,
Soziologen und Philosophen; aus Forschung, Lehre, Lehramt und Schulen.
Was heißt Biosemiotik?
Im
Unterschied zu herkömmlichen biologischen Disziplinen erklärt die
Biosemiotik biologische (Lebens)prozesse nicht ausschließlich anhand
von chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten sondern als
Zeichenprozesse, die semiotischen (grammatischen, semantischen und
pragmatischen) Regeln unterliegen. So wie sich Menschen mit Laut- und
Schriftzeichen verständigen und kommunizieren, geschieht die
Kommunikation in und zwischen Zellen, Bakterien, Pflanzen mittels
molekularer Botenstoffe die als Zeichen funktionieren. Kommt es z.B.
zwischen Zellen und Organen zu Kommunikationsstörungen, können
Krankheiten wie Krebs oder Cholera entstehen. Damit zeichnet sich eine
grundlegend erweiterte Sichtweise biologischer Prozesse ab.
Ausschlaggebend für Lebensprozesse sind demnach nicht in erster Linie
Aggregatszustände und deren naturgesetzmäßige Veränderungen, sondern
Kommunikationsprozesse in und zwischen Zellen, Geweben, Organismen,
deren Gelingen oder Mißlingen über Leben, Wachstum, Entwicklung,
Krankheit und Tod eines Organismus entscheiden.
Biosemiotik – nur eine Disziplin für Spezialisten oder eine Wissenschaft mit gesellschaftsrelevanter Sprengkraft?
Der
Wissenschaftsfortschritt vollzieht sich allerdings nicht einfach durch
fortschreitende Ausdifferenzierung und Spezialisierung der bestehenden
Bereiche. Im Gegenteil führt dieser Prozess oft zur Überspezialisierung
und einem Expertentum, in dem die Vertreter der einen Disziplin mit den
Vertretern der anderen Disziplin – und sei sie noch so benachbart –
keine gemeinsame Sprache mehr finden. Bei der Biosemiotik ist das
anders. Hier überschreiten sowohl die Biologie als auch die Semiotik
ihre bisherigen einzelwissenschaftlichen Grenzen und verschmelzen zu
einem neuen transdisziplinären Ansatz.
Das Leben ist ein
komplexes Phänomen und konfrontiert die Gesellschaft – z.B. in den
Bereichen Ökologie, Medizin, Gentechnik – mit Problemen, die nur dann
gelöst werden können, wenn deren Komplexität Rechnung getragen wird.
Komplexität begreifen heißt aber bei aller notwendiger Spezialisierung
über den Tellerrand der jeweils eigenen Wissenschaftsdisziplinen
hinausschauen und verschiedene Sichtweisen zu integrieren versuchen.
Nur wenn Komplexität begreifbar wird, kann in der Gesellschaft
verantwortlich gehandelt werden. Die Biosemiotik tritt an mit dem
Anspruch, der Komplexität des Lebendigen besser gerecht zu werden als
die traditionellen Herangehensweisen. Sie tritt damit eine Dynamik los,
die adäquatere Antworten auf die Herausforderungen moderner
Gesellschaften verspricht.
Woher kommt die Biosemiotik?
Ursprünglich
begann Jakob von Uexküll (1864-1944) in seinem Institut für
Umweltforschung in Hamburg mit diesem Forschungszweig. Die semiotische
Natur von Uexkülls Biologie wurde in den 80er Jahren des 20.
Jahrhunderts von seinem Sohn Thure von Uexküll (Begründer der modernen
Psychosomatik und der Humanmedizin) und Thomas Sebeok (Begründer der
Zoosemiotik = Zeichenverwendung in der Tierkommunikation)
wiederentdeckt. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hat sich
dadurch aus der allgemeinen Zeichenlehre (Semiotik) ein Spezialzweig
entwickelt, der sich Biosemiotik nennt. Die Biosemiotik untersucht die
Verwendung von Zeichen in und zwischen lebenden Organismen, oder wie
Howard Pattee es beschreibt: „Leben unterscheidet sich von der
nicht-belebten Welt durch seine Abhängigkeit von Zeichen.“
Zu
Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Gatherings in Biosemiotics zu
einem zentralen internationalen Treffpunkt für Biosemiotiker.
Spitzenforscher wie Myrdene Anderson (USA), Don Favareau (Sin), Jesper
Hoffmeyer/Claus Emmeche (Dk), Kalevi Kull (Est), Marcello Barbieri (It)
Anton Markos (Cz), Peter Harries-Jones (Ca), versammeln dort dutzende
Experten aus aller Welt zu Vorträgen und Diskussionen. Nach den
Treffen in Kopenhagen, (2001, 2003) Tartu (2002), Prag (2004), Urbino
(2005), kommt das 6. Treffen nach Salzburg (ganz in die Nähe
Wirkungsstätte von Karl v. Frisch, der für den Nachweis der
Bienensprache 1973 den Nobelpreis erhielt). Salzburg reiht sich damit
in die Reihe der Förderer einer der innovativsten Forschungsrichtungen
des 21. Jahrhunderts ein.
Gesamt - Kulturelle Relevanz der Biosemiotik:
Die
Biosemiotik hat das Potential einen grundlegenden Perspektivenwechsel
herbeizuführen, in welchem der Mensch zur belebten Natur ein völlig
neues, nicht-mechanistisches sondern ein kommunikatives Verständnis und
Verhältnis gewinnen könnte. Dieses grundsätzlich neue Verhältnis der
menschlichen Kultur zur belebten Natur vermag in Zukunft auch ein
realistisches, verantwortungsethisches Miteinander zwischen Mensch und
nicht-menschlichem Leben auf eine neue Grundlage zu stellen.
Belebte
Natur ist in dieser Sichtweise nicht mehr die mindere, mechanistische,
geistlose Natur der Mikroorganismen, Insekten, Pflanzen und Tiere,
sondern besteht aus kleinen und kleinsten sozialen Lebenswelten, deren
genetische Ausstattung ebenso wie die des Menschen wie eine Sprache
strukturiert ist und die sich mittels Kommunikation verständigen,
koordinieren und organisieren. Darüberhinaus sind alle höheren
Lebewesen auf Gedeih und Verderb auf funktionierende Symbiosen mit
Kleinstlebewesen angewiesen. D.h. menschliche Kultur ist nur möglich,
wenn das symbiotische Miteinander jedes Menschen mit den ihn umgebenden
Mikroorganismen funktioniert. Diese gänzlich neue Sichtweise der
Biosemiotik ist eine der zukunftsträchtigsten Herausforderungen an die
menschliche Kultur überhaupt: Das jahrtausende währende Verhältnis:
hier minderwertige Natur dort hochwertiger Mensch zu ändern in ein
gleichberechtigtes kommunikatives Miteinander von menschlicher und
nicht-menschlicher Natur. Es wird Aufgabe auch und gerade des
Kulturschaffens sein, diesen dramatischen Schritt der Veränderung
vorzubereiten und mitzugestalten.